"AUF DEM WEG"

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Momentaufnahme der kath. Pfarrgemeinde Götzis 1999
EINLEITUNG

 

Jede Pfarrgemeinde hat ihr ganz eigenes Profil. Sie ist einmalig und unverwechselbar. Im Folgenden versuchen wir, die Konturen unserer Gemeinde nachzuzeichnen, wie sie sich uns heute darstellt. Nach einem Blick zurück auf die letzten vierzig Jahre versuchen wir eine Standortbestimmung: Wer sind wir? (Unsere Grundsätze und Leitideen) Wie sind wir? (Unsere Stärken und Schwächen). Als Abschluss werfen wir einen Blick in unsere Zukunft (Wohin möchten wir gehen?).

Eine Pfarrgemeinde ist wie ein "Bauplatz", wo man Mitarbeiter ist. Das Fundament ist gelegt. Das ist Jesus Christus. Aber es kommt darauf an, wie man weiterarbeitet.

Eine Pfarrgemeinde hat Anteil an dem Bild, das Paulus vorschwebt, das Bild vom Leib, der viele Glieder hat. Jedes Glied hat seinen Sinn und seine Aufgabe im Ganzen. Da hat jede und jeder von uns seinen Platz, weil er/sie die je eigenen Charismen (geistgeschenkte Fähigkeiten) hat.

Wir möchten eingehen auf die Fragen und Nöte der Menschen unserer Gemeinde in dem Glauben, dass die Botschaft Jesu eine Antwort darauf bietet.

Das vorliegende Papier basiert auf Ergebnissen der PGR-Klausur im Jänner 1999 und wurde nach redaktioneller Bearbeitung mit der Pfarrversammlung abgestimmt.

 

 

 

Inhalt

1. Woher kommen wir?

1.1. I. Etappe – Die Zeit mit Pfr. Otto Feuerstein 1960 -1971

1.2. II. Etappe – Die Zeit der Teampfarre 1971-1975

1.3. III. Etappe – Die Zeit mit Pfr. Herbert Buhri 1975 bis heute

2. Wer sind wir?

3. Wie sind wir?

3.1. Pfarrer und PastoralassistentInnen

3.2. Der Pfarrgemeinderat

3.3. Mitarbeit der Laien

3.4. Gemeinschaftsleben 7

3.5. Stärken und Schwächen der Liturgie

3.6. Verhältnis Priester – Laien: Der "Götzner Weg"

4. Wohin möchten wir gehen?




1. Woher kommen wir?

 

Der folgende Rückblick auf über 40 Jahre Pfarrgeschichte basiert auf Recherchen in den "Pfarrblättern". Die Geschichte der Pfarre Götzis seit dem Konzil lässt sich grob in drei Etappen einteilen:

I. Etappe: die Zeit mit Pfr. Otto Feuerstein 1960-1971

II. Etappe: die Zeit mit dem Kapläne-Team: Richard Gohm, Andreas Schmid und

Sepp Franz 1971-1975

III. Etappe: die Zeit mit Pfr. Herbert Buhri, seinen Kaplänen bzw. PastoralassistentInnen

und MitarbeiterInnen 1975 – heute

 

I. Etappe – Die Zeit mit Pfr. Otto Feuerstein 1960 -1971

Das war die Zeit nach Pfr. Jakob Gut, der 54 Jahre lang das Gesicht von Götzis geprägt hat. Er zeichnete sich in seiner Pastoral einerseits durch Strenge und klare, unverrückbare Grundsätze aus, andererseits verlegte bereits er in mutiger Sicht den Altar ins Zentrum der Kirche nach dem Motto "Christus in die Mitte".

Das war auch die Zeit, da das Konzil ausgerufen wurde durch Papst Johannes XXIII, eine Zeit der Sehnsucht nach Reformen, eine Zeit des Aufbruches, eine Zeit neuer Hoffnung.

Pfr. Feuerstein war ein Brennender, ein kritischer Geist, ein Unzufriedener, ein Vorwärtsdränger, ein Hinterfrager, ein Journalist. Er scheute sich nicht, jedes heiße Eisen anzufassen und versuchte, das Konzil in die Wirklichkeit seiner Pfarrgemeinde einzupflanzen. Er blieb vielen in Erinnerung als einer, der die Gemeinde aus dem Angstglauben hin zum liebenden Gott führte. Er ließ die Menschen dem eigenen Gewissen trauen. Er versuchte, die Vereine zusammenzuführen. Er hat geschiedene Frauen und Männer zum Kommunionempfang ermutigt. Allerdings hat er auch viel Widerstand erfahren.

Von den Kaplänen ist im Pfarrblatt interessanterweise kaum die Rede. Ihre Arbeit lag, so scheint es, im Religionsunterricht und in der Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung, in der Ministranten- und Jugendarbeit, in der Begleitung von Vereinigungen und vielen Gruppen bzw. Runden.

Das Kino im Vereinshaus wurde von der Männer-Kongregation geführt.

Es gab bereits einen Pfarrlaienrat.

 

II. Etappe – Die Zeit der Teampfarre 1971-1975

Zwei große Projekte fallen in diesen Zeitabschnitt: der Versuch einer Teampfarre und die Vorbereitung der Zentrumsverbauung.

Nach dem Verzicht von Pfr. Feuerstein auf die Pfarre Götzis wurde von den drei Kaplänen Richard Gohm, Andreas Schmid und Sepp Franz die Gemeinde im Team geleitet. Die drei Priester tragen gemeinsam die volle Verantwortung für das Ganze der Pfarre. Die Aufgaben werden entsprechend den Fähigkeiten untereinander aufgeteilt. Die verstärkte Mitarbeit der Laien ist vorrangige Option.Im Herbst 1974 nimmt Kpl. Sepp Franz Abschied von Götzis. Die Teampfarre besteht noch ein Jahr weiter.

Das zweite große Anliegen, das in dieser Zeit angegangen wird, ist die Zentrumsverbauung. In diesem Zusammenhang wird ein vorläufiges Raumprogramm für die Pfarre erstellt. Die Notwendigkeit neuer Kirchen in Randgebieten und die Frage, wo und wie die Priester wohnen sollen, wird diskutiert.

 


III. Etappe – Die Zeit mit Pfr. Herbert Buhri 1975 - heute


Neben Pfr. Buhri wirken in diesen Jahren auch die Kapläne Wilfried Blum, Andreas Schmid, Erich Baldauf und Ernst Ritter. Da nicht mehr, wie in früheren Zeiten, zwei oder drei Kapläne den Pfarrer bei seiner Arbeit unterstützen, werden die Laien viel stärker gefordert und eingebunden, seit 1990 auch durch die Anstellung von PastoralassistentInnen.

 

Einige Bausteine, die wichtig waren für die Pastoral in den vergangenen 25 Jahren:

. Realisierung der Zentrumsverbauung (Pfarrsaal, Kanzlei, Wohnungen)
. Kurse der "Bewegung für eine bessere Welt" in Rocca di Papa
. Kinderhort, Mutter-Kind-Runde
. Bibelstudium, Bibelwoche, Bibelrunden
. Breit ausdifferenzierte Jugendarbeit
. NIP-Projekt (New Image of Parish – Projekt) und Gebietspastoral,

angelegt auf 12-15 Jahre,

"Analyse der Pfarrgemeinde" : Dauer 1 Jahr

Aufteilung der Pfarre in 8 Gebiete

Aus den Gebietsteams wählten wir statt des PGRs das Leitungsteam,

Pfarrblatt "Kontakt" kommt durch persönliche Zustellung an alle Haushalte

Fronleichnamsgottesdienste jedes Jahr in einem anderen Gebiet



. Ortscaritas, Senioren- und Krankenbetreuung

. "Götzner Weg" seit 6 Jahren

. Karwoche intensiv

. Exerzitien im Alltag

. Ökumenische Versuche – Weltgebetstag der Frauen, ökumenische Podiumsdiskussion bei der Bibelwoche, gemeinsame Gottesdienste

. Suppentage, Pfarrcafé

. Selbstbesteuerungsgruppe

 


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Wer sind wir?

Wir sind eine große Pfarrgemeinde mit ca. 8200 KatholikInnen. Für pastorale Tätigkeiten sind zur Zeit neben Pfarrer Buhri Günter Schatzmann (seit 1990 Pastoralassistent / 100%) und Heidi Fröwis (seit 1996 Pastoralassistentin / 50%) angestellt. Ein hauptamtlicher Pfarrsekretär und eine Mesnerin vervollständigen das Team.

Im Folgenden haben wir die zentralen Grundsätze und Leitideen unserer Pfarrgemeinde zusammengefasst:



. Wir orientieren uns am Konzil und versuchen, dieses Gedankengut in der Praxis umzusetzen. Entwicklungen in der Kirche werden mit Interesse verfolgt und mitgestaltet.



. Wir sind um Gleichwertigkeit bemüht: Frauen und Männer, Priester und Laien, ökumenische Ansätze.



. Wir fördern den Bewusstseinswandel vom Versorgungsdenken weg, hin zu Selbstverantwortung und Eigeninitative.



. Wir wollen nicht primär das tun, was Gesetz ist, sondern was Not wendet. Wir wünschen uns eine menschenfreundliche Seelsorge.

. Wir schauen nach vorne. Von Zukunftsperspektiven her möchten wir die Handlungen der Gegenwart leiten lassen.



. Wir müssen aufgrund der veränderten Situation in der Kirche manche bestehende Angebote und Dienstleistungen loslassen.

. Uns sind demokratienahe Strukturen ein Anliegen. Für wichtige Entscheidungen berufen wir die Pfarrversammlung ein.



. Wir leisten Widerstand, wo es uns das persönliche Gewissen gebietet.



.Religiöse Bildungsarbeit ist uns wichtig. Sie soll zu Selbständigkeit und Eigeninitiative befähigen. Damit bringt sie Entwicklung in die Pfarrgemeinde.



. Wir versuchen, den Weg in die Mitte, zu Gott, für möglichst viele offenzuhalten und gangbar zu machen.

 

 

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Wie sind wir?

 

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Pfarrer und PastoralassistentInnen

Jeder Pfarrer prägt in seiner Leitungsfunktion das Gemeindeleben. Wir haben in unserer Geschichte gelernt, Verantwortung gemeinsam zu tragen und den Pfarrer als "einen von uns" zu sehen.

Deshalb sind wir in der Frage eines Nachfolgers für unseren derzeitigen Pfarrer bemüht, die Möglichkeiten der Mitgestaltung und Mitentscheidung auszuloten und zu nützen.

Seit neun Jahren haben die hauptamtlichen PastoralassistentInnen unterschiedliche Aufgaben übernommen. Ihre Tätigkeit als Laien hat sich bewährt. Sie haben in der Bevölkerung breite Akzeptanz gefunden.

 

. Der Pfarrgemeinderat

Wir verstehen den PGR als beratendes und entscheidendes Gremium in Bezug auf die Grundausrichtung der Pastoral und der Strukturen der Pfarrgemeinde.

Der momentane PGR ist eine ziemlich homogene Gruppe mit viel Selbstbewusstsein. Das erleichtert es, auch schwierige Themen in Angriff zu nehmen. Andererseits erfordert aber gerade diese Homogenität immer wieder ein Innehalten und Reflektieren, ob der PGR nicht einseitig wird und damit andere Sichtweisen und Meinungen der Pfarrgemeinde keinen Platz mehr haben.

Oft ist es nicht einfach, das, was im PGR geschieht, für die Gemeindemitglieder transparent zu machen.

 

. Mitarbeit der Laien

Eine Stärke unserer Gemeinde ist die vielfältige Mitarbeit der Laien. In ihrem Engagement haben sie große Freiheiten. Sie übernehmen Verantwortung für die Entwicklung der Pfarrgemeinde, arbeiten selbständig und selbstbewusst.

Oft ist es jedoch schwierig, neue MitarbeiterInnen zu gewinnen.

. Gemeinschaftsleben

Wir arbeiten viel miteinander und feiern Gottesdienst, aber das gemütliche Beisammensein ohne Hintergedanken und Leistungserwartungen kommt zu kurz. Wir brauchen pfarrliche Treffpunkte, Pfarrcafé, Suppentag, Agape, Pfarrball, Ausflüge, usw. Leider fehlen Menschen, die diese Seite des Pfarrlebens verstärkt in die Hand nehmen, organisieren und koordinieren.

 

. Stärken und Schwächen der Liturgie

Die Liturgie in Götzis zeichnet sich aus durch niveauvolle Gottesdienste in großer Vielfalt, die durch die Wechsel von Pfarrer, Pastoralassistentin, Pastoralassistent und gelegentlichen Einsätzen von Wortgottesdienstteams gegeben ist. Wir sind bemüht, nicht nur dem Wort, sondern auch der Stille, der Kirchenmusik und den Zeichen und Riten im Gottesdienst Platz zu geben. Manchmal wird uns nachgesagt, dass die Liturgie im allgemeinen zu verkopft sei.

Besonders große Akzeptanz in der Pfarrgemeinde findet die Form der Totenwachen und Beerdigungen mit Wortgottesdiensten, die möglichst persönlich gestaltet werden. Der Beerdigungsdienst wird abwechselnd vom Pfarrer und den PastoralassistenInnen übernommen.

 

. Verhältnis Priester – Laien: Der "Götzner Weg"

Fünf wichtige Elemente der Pastoral haben wir vor einigen Jahren bei der Pfarrversammlung beschlossen, als wir auf den Kaplan verzichten mussten:

. Beerdigungen durch die PastoralassistentInnen im Wechsel mit dem Pfarrer - anschließend an die Beerdigung feiern wir einen Wortgottesdienst und am nachfolgenden Sonntag wird bei beiden Eucharistiefeiern der Verstorbenen der Woche gedacht.

. PastoralassistentInnen predigen im Wechsel mit dem Pfarrer.

.Wenn der Pfarrer krank oder auf Urlaub ist, werden an Sonntagen auch Wortgottesdienste gefeiert.

. Angehörige von Hauskranken sind eingeladen, von der Kommunionbank weg die Krankenkommunion mitzunehmen.

. In unseren Eucharistiefeiern sind Laien als KommunionhelferInnen im Einsatz.

 




Wohin möchten wir gehen?

Die kommenden Jahre werden weiterhin wesentliche Veränderungen für unsere Pfarrgemeinde mit sich bringen. Konkrete Zukunftsvisionen zu entwickeln, ist sehr schwierig. Der Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft nimmt seit Jahren ab, volkskirchliche Strukturen verändern sich, finanzielle Mittel werden weiter schwinden.

Wir brauchen Mut zu neuen, ungewohnten Wegen.



. Die Pfarrgemeinde soll Kirche als lebendige Gemeinschaft erfahrbar machen. Sie soll die Spannung aushalten, beides zugleich zu sein: eine kleine Gottesdienstgemeinde und eine offene Gemeinde für möglichst viele.


. Die Zukunft der Kirche liegt in kleinen Gruppen, in Beziehungsnetzen. Solche müssen wir fördern. Dabei dürfen wir nicht den Blick auf das Ganze verlieren.


. Die Pfarre soll attraktiv und sympathisch sein, ein Ort, an dem Gemeinschaft erfahrbar wird. Deshalb ist es notwendig, dass lebensbedeutende Themen und Anliegen auch über die Kirchentüre hinaus allgemein bekannt gemacht werden. Das bedeutet: verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Weiterführung des Bildungswesens.
Eine wichtige Funktion kommt der Pfarrkanzlei zu. Sie soll sich in Zukunft noch mehr zu einer pastoralen Anlaufstelle entwickeln.


. Wir sind entschlossen den "Götzner Weg" mit der Einbindung von Laien weiterzugehen. Das ist umso wichtiger, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass wir in Zukunft unseren Priester mit anderen Gemeinden teilen müssen.


. Eine tragende Säule im Leben einer Gemeinde ist die Diakonie, der Umgang mit Menschen in verschiedensten Notsituationen. Wohl verfügt unsere Gemeinde über ein hohes Spendenaufkommen, dennoch fehlen uns gerade in diesem Bereich Visionen für konkretes Handeln. Wir werden hier in Zukunft sicher mehr Aufmerksamkeit und Energie investieren.


. Anliegen wie Religionsunterricht, Familienpastoral, Bildungswerk, Entwicklungshilfe, Jugendarbeit, Aktivierung älterer Menschen, pastorale Begleitung von Menschen, die krank oder behindert sind, sind Dauerthemen im pfarrlichen Leben.


. Eine schwierige Frage wird auch sein, wie wir die Kirchengebäude und pfarrlichen Räumlichkeiten erhalten und sinnvoll nutzen können. Doch gerade in der Auseinandersetzung damit liegt auch eine große Chance, neue Möglichkeiten für unterschiedliche Formen der Begegnung zu finden und zu schaffen.
. Was den neuen Pfarrer betrifft, so darf er darauf bauen, dass wir als Gemeinde zu konstruktiver Mitarbeit bereit sind und ihm mit Offenheit begegnen werden.

 

Der Pfarrgemeinderat in Abstimmung mit der Pfarrversammlung. Götzis im Mai 1999.

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