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Fronleichnamspredigt von Pfarrer Herbert Buhri
Ich habe diese Lesung aus dem 1. Korintherbrief gewählt - ich sag's ganz ehrlich, weil ich mit den beiden anderen, die die Liturgie heute vorschlägt zur Zeit nicht zurechtkomme. Besonders nicht mit der Zweiten aus dem Hebräerbrief, der diese unselige Kastenordnung, hier Priester hier Laien, begründet hat und das bewegt mich zur Zeit negativ.
Also 1. Korintherbrief, also Paulus:
Ja - Eucharistiefeier ist christliches Urgestein.
Ja - von dieser Feier, die Brot und Wein als Grundgehalt hat, haben die Christen in den ersten christlichen Gemeinden viel gehalten. Sie haben sie gefeiert am Sonntag, wenn auch die Römer, die Juden, die Griechen Werktag hatten und die Christen also zur Arbeit gezwungen waren; Sie feierten den Tod und die Auferstehung Jesu, und sie stärkten ihr Leben durch den Leib und das Blut des Herrn, denn diese Feier, war für sie eine Existenzfrage, dieses Teilen des Brotes und des Weines in der Gemeinschaft der anderen dieser Leib des Herrn, der hingegeben war für sie, dieses Blut des Herrn, das geflossen war für sie, bedeutete ihnen alles.
So, und damit habe ich mich selbst in einen Erklärungsnotstand gebracht, für alles was ich euch heute zu sagen habe:
Ich stehe dazu - ja - Eucharistiefeier ist christliches Urgestein; ja - Eucharistiefeier war für sie eine Existenzfrage - aber:
das heißt nicht, daß jede christliche Feier am Sonntag eine Eucharistiefeier ein Fronleichnam sein kann und darf:
drängt nicht einen Priester dazu, am Sonntag vier Eucharistiefeiern zu feiern, ihr macht ihn zum Eucharistieautomaten, ihr bringt ihn auf die Dauer um die Freude, Eucharistie feiern zu dürfen; bitte erspart ihm die
Tortur, innerhalb von zwei Stunden zwei eucharistische Gottesdienste feiern zu müssen für zwei Gemeinden die so verschieden sind. Eucharistiefeier ist keine Eintopfsuppe, sie ist Feier mit einer Gemeinde,
die ihre Geschichte, ihr Gesicht, ihr Profil, hat ihre je eigenen Probleme und Fragen, ihre je eigene Art zu feiern und erspart euch die Dauerenttäuschung die für euch daraus erwachsen würde.
Eine Eucharistiefeier ist keine Form für einen Gugelhupf, den man einfach über eine Gemeinde stülpen kann.
Da ist es wesentlich besser und christlicher, die Ansprüche zur gleichen Zeit zurückzuschrauben und zu heben und abwechselnd zufrieden zu sein mit einem Wortgottesdienst - solange ich mitreden kann, rede ich mit - und rate euch zumindest im ersten Jahr, bis aus dem Diakon ein Priester geworden ist, am Samstag Abend miteinander Wortgottesdienst zu feiern und am Sonntag, Eucharistie oder umgekehrt, das tut ihm gut, dem Priester, und euch gut, der Gemeinde, und erhält euch die Möglichkeit die Zeit ansetzen zu können, die vielen passt. Allen passt sie nie, das ist klar.
Und wenn ihr meint euch beklagen zu müssen, das mehr nicht drin ist, dann denkt an den Missionar in Tansania, der mir sagte: am Samstag und Sonntag feiere ich Eucharistie mit der Gemeinde am Hauptort der Mission, dann habe ich noch fünf Sonntagsgemeinden, die also jeden fünften Sonntag drankommen und noch achtzehn Gemeinden, die am Sonntag nicht drankommen, nur an Werktagen. Fühlt euch solidarisch mit ihnen.
Und noch ein Thema muss ich anschneiden: den Wunsch einiger im Wortgottesdienst Kommunion auszuteilen. Dieser Wunsch war vor Jahren einmal auf dem Tisch, da habe ich vierzehn Experten in Liturgie in Österreich, in
der Schweiz, in Deutschland und einen in England angeschrieben, alle waren sie dagegen und haben es in langen Briefen begründet. Steckt, bitte, zurück von dieser Unmäßigkeit von diesem Alles-Haben-Wollen, von dieser
ungezügelten Habgier, und zerstört nicht den Sinn und die Werthaftigkeit der Eucharistie, und hungert lieber nach dem Wort Gottes und legt es aus und überdenkt und meditiert es und versucht es zu leben, das wird euch genügen; und ihr werdet in neuer Tiefe mit hungrigem Herzen, Eucharistie feiern.
Und noch ein Thema liegt auf dem Tisch, das zutiefst mit Fronleichnam zu tun hat, die Kommunion zu den Kranken von der Kommunionbank weg. Lasst euch diesen urchristlichen Lebensvollzug nicht nehmen. Wie hat er geheißen -
Tarzisius - der Junge, der den Gefangenen das hl. Brot gebracht hat, von dem haben wir als Buben geschwärmt.
Das ist Fronleichnam, vorzeigen und darreichen der Frucht der Eucharistiefeier, ein Liebesdienst sondergleichen.
Und noch eines: Auslegen des Wortes Gottes in der Eucharistiefeier durch Laien, Männer und Frauen, ich habe letzten Sonntag mit dem Pater Neuner gesprochen, ein Jesuit, seit 60 Jahren Missionar in Indien, heute 91, er
war einige Tage in Feldkirch seiner Geburtsstadt. "Sie machen einen Fehler", hat er gesagt "wenn sie das Kastensystem neu aufbauen wollen zwischen Laien und Priestern". Er weiß aus 60 jähriger Erfahrung was Kastensystem heißt. Ein Unrecht, eine Anmaßung ein Ausschließen, wo doch so viele reich sind an Spiritualität, an Lebenserfahrung und Charismen.
Freunde, ich pfeife auf Fronleichnam, wenn es nicht Konsequenzen hat, für das Leben einer Gemeinde, wenn es nicht dorthin führt, wo Paulus hingedrängt hat: als ihr in der Taufe Christus übereignet wurdet, habt ihr Christus angezogen wie ein Gewand. Es hat deshalb nichts mehr zu sagen, ob einer Jude ist oder Nichtjude ist, Sklave oder freier Mann oder Frau ist oder ist etwa der Graben zwischen Laien und Priester so noch tiefer, dann wehe der Kirche!
Freunde, Fronleichnam ist also gefährlich,
Fronleichnam ist Dynamit,
Fronleichnam reisst uns die Masken vom Gesicht,
und Fronleichnam ruft nach Konsequenzen, auch wenn wir's am sauberen
Emmebach gefeiert haben.
Denkt und handelt so klar und sauber, wie der Bach klar und sauber ist.
Amen
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