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St. Ulrich
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Jes 42,. 5a.1-4.6-7
Apg 10, 34-38
Mk 1, 7-11

In einer Einführung zum heutigen Evangelium heißt es: "Im alten Israel galt der König als Gottes Sohn, weil man überzeugt war, dass durch ihn Gott selbst über sein Volk regiere. Man wusste auch, dass Gottes Geist durch die Propheten sprach. Zur Zeit Jesu aber klagte man darüber, dass Gott seit langer Zeit geschwiegen habe und der Himmel verschlossen sei. Um so mehr hoffte man darauf, dass der Himmel sich wieder öffne, dass Gott also wieder sprechen, eingreifen und handeln werde."

Auch heute stehen wir wieder in einer ähnlichen Situation. Seit Jahren, ja Jahrzehnten, warten wir darauf, dass sich endlich etwas ändert, etwas bewegt, in unserer Kirche, dass Gott uns ein deutliches Zeichen gibt. Viele sind ob des Wartens schon müde geworden, haben sich zurückgezogen, resigniert. Nur mehr wenige sind zornig und bereit zu kämpfen.
In den letzten Tagen - an Weihnachten und Neujahr - ist ein greiser, schwerstkranker Mann über unsere Fernsehschirme geflimmert, angetan in prächtiger Kleidung hat er ein paar kaum verständliche Worte gemurmelt und mit zittriger Hand das Kreuzzeichen gemacht. Eine bedauernswerte Gestalt.
Aber genau das ist das Bild, das mittlerweile die meisten Menschen von unserer Kirche haben: alt, veraltet, unbeweglich, schon mehr tot als lebendig verfügt sie wohl noch über prächtige Gewänder, sprich einen feierlichen Rahmen, aber das, was sie sagt, murmelt, ist unverständlich, hat keine Kraft mehr und die Zeichen, die sie setzt, sind schwach.
Da wird verständlicherweise die Sehnsucht groß, dass endlich einer kommt ... "Wie lange noch müssen wir warten, o Herr!!"
Und schauen wir auf unsere Gemeinde, was sehen wir da? -Auch Wartende. Zur Zeit warten wir hauptsächlich auf einen neuen Pfarrer. Das scheint unsere größte Sorge zu sein. Immer wieder werde ich darauf angesprochen:

Gibt's was Neues? Weiß man schon was? Hat sich schon einer gemeldet!"
Und während wir so warten, setzen wir unsere ganze Kraft dafür ein, dass möglichst alles beim Alten bleibt. Nur ja nichts riskieren. Wir tun, was wir immer schon getan haben:


Wir taufen Kinder, deren Eltern nicht im Traum daran denken, sich wirklich in unsere Kirche, unsere Gemeinde, einzubringen.
Wir feiern an drei Sonntagen hintereinander Erstkommunion mit Familien, von denen ein Großteil damit ihr pfarrliches Leben für lange Zeit beendet.
Wir führen über 100 junge Menschen zur Firmung, von denen sich vielleicht vier, fünf wirklich für das Sakrament interessieren.
Und Sonntag für Sonntag kommen wir hier zusammen, um miteinander Eucharistie zu feiern, in einem Raum, der mittlerweile viel zu groß geworden ist für unsere kleine Gruppe und der von seiner Ausstattung und Gestaltung her gemeinschaftliches Feien mehr behindert als fördert.

Ja, ich fürchte, wir verkünden die Frohe Botschaft nicht mehr oder kaum mehr, sondern wir verwalten sie bloß noch. Dazu passt auch, dass neben der Kirche, wo wir Gottesdienst feien, die Pfarrkanzlei der Ort ist, wo Kommunikation geschieht, wo die Fäden zusammenlaufen. Sie ist der Mittelpunkt des alltäglichen pfarrlichen Lebens - eine Kanzlei, ein Amt. Und da wird eben hauptsächlich verwaltet. Früher gab es noch ein Pfarr-Haus. So ein Haus hat eine ganz andere Ausstrahlung, eine andere Atmosphäre, eine andere Symbolik. Da liegt der Schwerpunkt nicht auf der Verwaltung. Bei uns schon, und das ist wohl kein Zufall. Wir sind zu VetwalterIn der Frohbotschaft geworden. Da fehlt die Power, der Pep; die Lebensfreude und Lebenslust, die Risikobereitschaft und die Phantasie. Leute, wir sind viel zu brav, und warten allein ist zu wenig.
Und was meint Gott dazu? Was sagt das Evangelium?
Wenn wir Weihnachten ernst nehmen -Gott wird Mensch -und wenn es stimmt, was wir glauben und immer wieder bekennen, nämlich, dass wir alle, so wie wir hier beisammen sind, der Leib Christi sind, dass wir die Art und Weise sind, wie Jesus heute lebendig und gegenwärtig ist, dann gilt auch uns allen das Wort Gottes: "Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen gefunden."
Und das, bitteschön, ist nicht nur eine Liebeserklärung eines Vaters an sein Kind, sondern mit diesem Wort werden wir von Gott, gemäß der biblischen Tradition, als Könige und Königinnen eingesetzt. Das ist unsere Inthronisation. Unsere Würde kommt von Gott, und sie hängt nicht davon ab, ob wir Kleriker oder Laien sind und schon gar nicht hängt sie von der Gnade und dem Wohlwollen eines Bischofs oder Pfarrers ab. In diesem Selbstbewusstsein können wir ans Werk gehen. Wir sind ein königliches Geschlecht. Wir brauchen nicht mehr zu warten: nicht auf den neuen Pfarrer, nicht auf Feldkirch, nicht auf Rom. Der Messias ist schon da, in uns.
Zugegeben, auch Jesus hat lange gebraucht, bis er sich auf den Weg gemacht hat. Dreißig Jahre lang lebte er unbeachtet, unscheinbar und brav in Nazaret bis er eines Tages seine Heimat hinter sich ließ und hinunterging an den Jordan.

Es wird Zeit, dass auch wir aufstehen, das alte, verstaubte, aber eben doch liebgewonnene Nazaret zurücklassen und Jesus nachfolgen hinunter zum Fluss. Dort wird uns vermutlich Johannes zunächst einmal ganz tüchtig den Kopf waschen, uns eintauchen ins kühle, erfrischende Nass, damit wir endlich aufwachen, den Himmel offen sehen. Und dann werden wir ganz verrückte Sachen machen, unsere Vögel ausleben - jede und jeder hat ja zumindest einen davon - denn in all diesen bunten Vögeln, nicht nur in den Tauben, verbirgt sich der Heilige Geist: in unseren Verrücktheiten, Träumen, Visionen und Sehnsüchten.
Roland Weber träumt im neuen KONTAKT, inspiriert von der "offenen Kirche" in Basel, von einer neuen, anderen Kirche. In diesen Zeilen zeigen schon ein paar bunte Vögel ihr Gefieder. Lest sie. Wir brauchen mehr solche Träumer und noch mehr, die diese Träume Wirklichkeit werden lassen. Deshalb schreibt Roland am Ende in guter alter James-Bond-Manier "Wir haben die Lizenz um Experimentieren. Wir haben den Auftrag, neue Wege zu finden. Es genügt sicher nicht, wenn wir einfach weitermachen. Wir müssen uns auf den Weg machen. Und mit WIR meine ich DICH und MICH."
Möge die Kirche, unsere Kirche, lebendig und bunt und risikofreudig werden, auch wenn uns manche dann vorwerfen, was Bluatschink in einem ihrer Lieder singen: "Du hoscht ja an scheana Vogl."

Günter Schatzmann

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