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3. Sonntag im Jahreskreis
Jona 3, 1-5.10
1 Kor 7, 29-31
MK 1,14-20


Wortgottesdienst
Alle Texte vom 3. Sonntag im Jahreskreis Datei 10kB (WINWORD 6.0)



Begrüßung:
In einem Prospekt, das ich letzten Sonntag hinten beim Schriftenstand mitgenommen habe steht, "Kolping will seine Mitglieder befähigen, sich als Christen in der Welt zu bewähren". Und der Pfarrer hat sich wohl gedacht, was für Kolping gut ist, ich auch für die Gemeinde gut. So ist er heute in Sachen Kolping unterwegs und wir können uns in unserer christlichen Lebenshaltung bewähren und eigenständig Gottesdienst feiern.
Zu Beginn wurde die Bibel auf den Altar, also in den Mittelpunkt der Feier gestellt. Das Wort Gottes wird uns heute speziell begleiten, tragen. Wir feiern Wortgottesdienst. Dazu möchte ich euch im Namen von Günter, Thomas, Manfred begrüßen.
Wir sind auch zusammengekommen im Namen Gottes und beginnen die Feier mit seinem Zeichen. Im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Besinnung und Kyrie-Rufe:
( Uhr im Hintergrund)
"Vorüber geht die Gestalt dieser Welt."
(Ticktack der Uhr eine Spur lauter)
"Vorüber geht die Gestalt dieser Welt."
Der Kernsatz der heutigen Lesung möchte unseren Blick weiten - auf das Wesentliche lenken.
"Vorüber geht ..."

Gehen wir mit unserer inneren Aufmerksamkeit noch einmal zu letzter Woche :
Menschen - beruflicher Alltag - Gespräche - zu Hause - Partner - Unternehmungen - Familie - ...
Vorüber gegangen sind schöne und schreckliche Stunden.
Vorüber gegangen sind Momente, die wir herzlich gerne vorüber gehen ließen.
Vorüber gegangen sind auch Augenblicke, die wir zu gerne für immer festgehalten hätten.
Alles geht vorüber ...
(Uhr ausblenden)

Und doch ist da etwas, das in diesem Vorübergang bleibt.
- Herr erbarme Dich.

Manchesmal erahnen wir hinter allem Vorüberziehenden einen ruhenden Pol in uns.
- Christus erbarme Dich.

Etwas, das Bestand hat - E R , der war, der ist und der bleibt, wird hinter der Gestalt dieser Welt spürbar.
- Herr erbarme Dich.


Der Herr erbarme sich unser. Er nehme von uns alle Schuld, alles was uns bedrückt und belastet, damit wir frei diesen Wortgottesdienst feiern. Amen.

Tagesgebet:
Gott, du hast den Tag für alle Menschen gleich lang gemacht. Wir leben Minute um Minute. Bewußt und auch unbewußt. Oft ist die Zeit mit Sorgen vollgestopft weil wir nicht loslassen können von den Annehmlichkeiten die das Leben scheinbar versüßen. Und wenn der Tag voll Freude ist, vergeht er viel zu schnell. Hilf uns loszulassen von den Tätigkeiten die das Leben blockieren und las uns den Tag in Deinem Sinne genießen. Durch Christus unsern Herrn.

Einführung zur Lesung:
Begonnen hat es mit einigen Frauen und einer Handvoll ungebildeter Fischer. In sehr kurzer Zeit allerdings ist diese kleine Schar angewachsen und hat sich in die Welt hinausgewagt. In Kürze hat sich ihre Botschaft in die Zentren der damaligen Welt verlagert - wie war das möglich?
Die ersten Christen waren erfüllt von der Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi. Es ging darum, die Zeit zu nutzen, Unwichtiges hinter sich zu lassen und das Wesentliche zu tun. Nicht daß Paulus materiell - irdische Güter mißachtet hätte, im Brief an die Korinther weist er ihnen den angemessenen Stellenwert zu: Besitz und Besitzlosigkeit, Ehe und Ehelosigkeit - alles ist relativ geworden. In der Freiheit des Christen ist offensichtlich auch kein Platz für die Angst vor dem Verlust von Äußerlichkeiten, vor dem Versagen, nicht einmal Angst vor dem Tod. Ihr Denken und Handeln war eins - auf die "Sache Christi" gerichtet.

Lesung:
1 Kor 7, 29-31

Evangelium:
MK 1,14-20

Predigt:
Das ist doch wieder typisch Kirche! Jetzt ist der Fasching heuer sowieso nur so kurz, und was fällt ihr dazu ein? In der Lesung darf uns Paulus ins Gewissen reden, wie vergänglich doch alles ist - "die Zeit ist kurz und die Gestalt dieser Welt vergeht." Und im Evangelium tönt es auch nicht viel anders. Da mahnt Jesus: "Die Zeit ist erfüllt... Kehrt um!" Nicht einmal im Fasching kann man ungestört feiern, schon taucht der moralische Zeigefinger auf. Genau so, meinen viele, sei eben die Kirche, und deshalb wollen sie nichts mit ihr zu tun haben. Da ist ihnen der Fasching allemal lieber. Fasching - für eine kurze Zeit setzen wir uns die Maske der Fröhlichkeit, der Ausgelassenheit, der Freizügigkeit, der Freiheit auf. Wir tun und sagen Dinge, die wir im "normalen Leben" nicht tun und sagen. Im Fasching, da zeigen wir unser anderes Gesicht. Wir werden zu Narren, und wir genießen diese Verrücktheit. Im Fasching - da schlägt unsere Sehnsucht durch, die wir das ganze Jahr über in uns tragen: die Sehnsucht nach einem Leben voller Farben, nach lachen, nach Leichtigkeit, nach Gelöstheit, nach Freiheit von allen Zwängen, nach Ekstase, nach Gemeinschaft, nach Seligkeit. Diese Sehnsucht ist gefährlich. Deshalb haben wir sie domestiziert, gezähmt, eingesperrt, damit sie uns nicht unser ganzes System, dem wir uns mit Haut und Haaren verschrieben haben, durcheinanderbringt. Und einmal im Jahr bekommt unsere Sehnsucht Ausgang. Kein Wunder, daß manche dann über die Stränge schlagen. Ein Faktor, der dieses System, in dem wir leben, ganz wesentlich prägt ist die Zeit und unser Umgang damit. Wer wichtig ist, ja wer nur ein bißchen etwas auf sich hält, der hat keine Zeit, der darf keine Zeit haben.
Statt dessen hat er einen Terminkalender, randvoll gefüllt mit Terminen, die die Wochen, Tage, ja Stunden einteilen und gliedern. Um das alles zu bewältigen und dadurch zu demonstrieren wie wichtig ich bin, dazu brauche ich eine gute Organisation und Streß ist dabei - leider - nicht zu vermeiden. Denn die Zeit vergeht und zwar immer schneller. Das ist wie bei einer Sanduhr: Am Anfang schaut das ja noch ganz gut aus. Da ist noch jede Menge Zeit vorhanden - unbedenklich. Aber je weniger Sand drin ist, um so schneller scheint er runterzu-rieseln. Jedes Jahr vergeht noch schneller. Dieses Gefühl des "Immer-schneller" verleitet dazu, in das noch verbleibende kurze Stückchen Zeit möglichst viel hineinzupacken. Die Angst, etwas zu versäumen, kriecht in uns hoch und so hetzen wir von Erlebnis zu Erlebnis, von Veranstaltung zu Veranstaltung, von einer Begegnung zur nächsten. Und noch etwas kommt dazu: auf einmal entdecken wir nämlich, daß wir alt werden. Am deutlichsten sieht man's an den Kindern, wie groß die auf einmal schon sind. Auch an den grauen oder fehlenden Haaren wird's deutlich und an den Fettpölsterchen, die sich immer an den unmöglichsten Stellen bilden. Mit der Fitneß ist es auch nicht mehr so weit her, und auf dem Geburtstagskuchen fehlen auf einmal die Kerzen. Die Zeit vergeht. Alles vergeht, und wir verspüren dabei ein ungeheures Bedürfnis nach Dauer und Beständigkeit, nach etwas Bleibenden. Deshalb versuchen wir ja auch zunehmend alles festzuhalten. Jede Kleinigkeit, jeder Furz, wird mittels Photoapparat und Videokamera verewigt. Unsere Sprache bringt das ja wunderschön zum Ausdruck: Wir wollen "verewigen". Wir wollen unserer Vergänglichkeit entrinnen und unseren Erlebnissen Dauer verleihen. Zu unserer Sehnsucht nach Leichtigkeit, nach Freiheit und Gelöstheit gesellt sich nun also auch noch die Sehnsucht nach etwas Bleibendem, Ewigem. "Jede Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit", so drückt es Nietzsche aus. Und mitten hinein in diese, unsere Sehnsucht platzt nun Jesus und ruft uns zu: "Die Zeit ist erfüllt. Die Königsherrschaft Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium." Das ist nun aber wirklich keine moralinsaure Bußpredigt, kein erhobener Zeigefinger. Jesus geht es überhaupt nicht darum, uns den Spaß und die Freude zu verderben, ganz im Gegenteil, er hat eine frohmachende Botschaft, eine gute Nachricht für uns: "Die Zeit ist erfüllt." Erfüllt ist etwas anderes als angefüllt und vollgestopft. Erfüllt meint vollendet, das Warten ist vorbei. Es ist soweit. Die befreiende, erlösende Herrschaft Gottes ist nahe, ja sie hat schon begonnen. Deshalb kehrt um und glaubt an diese frohe Botschaft. Kehrt um - hört endlich auf, euch selbst zu belügen, indem ihr euch ständig einredet: Da kann man nichts machen. Das ist eben so. Das sind die Sachzwänge. Kehrt um - sperrt eure Sehnsucht nicht länger ein. Ignoriert und unterdrückt sie nicht, sondern vertraut euren Träumen und Hoffnungen. Spürt die Kraft, die von ihnen ausgeht. Gebt euch nicht zufrieden mit dem eintönigen Grau, sondern gebt den farbigen, bunten Flecken in eurem Leben eine Chance. Kehrt um - laßt euch nicht hineinzwängen in Systeme und Formen, die viel zu klein sind und zu eng für euch, die euch einschnüren und den Lebensatem nehmen. Kehrt um - glaubt nicht länger den Propheten des "Immer-mehr" und "Immer-schneller"; den Einpeitschern, die euren Lebensrhythmus bestimmen wollen. Statt dessen sagt Jesus: Legt die Netze einmal aus der Hand, laßt los, was euch sonst so beschäftigt, euer Leben vollfüllt und was euch Sorgen macht. Gebt sie mir, eure Fragen und Zweifel und euere Angst. Folgt mir nach. Ich lasse euch nicht allein. Schaut es euch einmal an, probiert es aus, was es bedeutet, wenn Gott die Herrschaft in eurem Leben übernimmt. Ihr werdet staunen, was dann alles möglich wird, und ihr werdet erfahren, daß eure Sehnsucht recht hatte.

Schlußgebet:
Herr, ich habe Dich um Kraft gebeten, um Erfolg zu haben;
Du hast mich schwach werden lassen, damit ich gehorchen lerne.

Ich habe Dich um Gesundheit gebeten, um große Dinge zu tun;
ich habe die Krankheit erhalten, um Besseres zu tun.

Ich habe Dich um Reichtum gebeten, um glücklich zu sein;
ich habe die Armut erhalten, um weise zu sein.

Ich habe Dich um Macht gebeten, um von den Menschen geschätzt zu werden;
ich habe die Ohnmacht erhalten, um Verlangen nach Dir zu verspüren.

Ich habe Dich um Freundschaft gebeten, um nicht allein leben zu müssen;
Du hast mir ein Herz gegeben, um alle meine Brüder zu lieben...

Ich habe nichts gehabt von dem, was ich erbeten hatte;
ich habe alles gehabt, was ich erhofft hatte.

Fast gegen meinen Willen sind meine ungesagten Gebete erhört worden.
Ich bin der Beschenkteste aller Menschen.
Danke Dir, Herr!






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