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"Aktuell"
Predigt Pfingsten 2002
Joh 20,19-23
Gottes Geist ist nur schwer zu beschreiben. Wir können ihn oft nicht fassen. Pfingsten kann man nicht so einfach feiern wie Weihnachten und Ostern. Es ist weniger volkstümlich, weniger traditionell. An Weihnachten gibt es Geschenke, an Ostern gibt es Hasen und Ostereier. Was aber gibt es an Pfingsten?
Der Heilige Geist ist für viele einfach zu abstrakt. Und was man nicht verstehen kann, das lässt sich auch nicht so leicht feiern.
Der Heilige Geist im hebräischen Ruach genannt, die, die lebendig macht.
Es lässt sich schwer beschreiben wer dieser Geist Gottes ist, doch wie Gottes Geist wirkt und wirken kann ist sehr wohl zu sehen.
Gottes Geist schafft Verständnis. Menschen, die sich vorher fremd waren, verstehen einander; Gottes Geist schafft Mut. Er schenkt uns Fähigkeiten und Begabungen. Er trägt alles Leben und hält es in Gang.
Im Laufe der Geschichte haben Menschen immer wieder die Erfahrung gemacht wie Gottes Geist in ihrem Leben wirkt. Es gibt sicherlich unzählige dieser Erfahrungen. Angefangen von der Erschaffung des Menschen, bis hin zu jenen Menschen die sich dem "Zeitgeist" entgegensetzten, um durch ihr Tun die Welt ein bisschen lebendiger, verständnisvoller und liebevoller zu machen.
Manchmal meinen wir, in unserer Zeit ist von diesem Wirken Gottes wenig zu spüren. Der Geist Gottes ist sicherlich irgendwo, aber hier bei uns ist nicht viel da. Von der Begeisterung damals ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Wir sehen was in der Welt um uns herum passiert. Gewohnte Strukturen sind nicht mehr tragfähig. Das menschliche Leben wir immer mehr zur "Sache". Ein Mensch muß funktionieren und leistungsfähiger werden, doch die Würde eines Menschenlebens wird kaum mehr angesprochen. Es gibt immer noch Kriege und die Mächtigen der Welt bestimmen immer noch was zu geschehen hat.
Auch im kleinen läuft nicht alles so rund, wie wir es gerne hätten. Jedem von uns fallen dazu sicherlich unzählige Beispiele ein.
Und dann stellt sich die Frage, wo bleibt dieser Geist Gottes, der lebendig macht, der uns hilft unser Leben zu meistern? Wo ist dieser Geist bei politischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Entscheidungen?
Ja es gibt auch den schlechten Geist, den Ungeist wie ich vorher schon gesagt habe, den Zeitgeist. Wo weht der Wind des Zeitgeistes heute her? Die Machtworte des Zeitgeistes heißen: Erfolg, Event, Fitness, Flexibilität, Marktwert, Mobilität, Spaß und sicherlich noch viel mehr.
Der Zeitgeist zwingt. Gottes Geist befreit.
Der Zeitgeist zwingt uns in die Hektik. Gottes Geist schenkt uns Gelassenheit.
Der Zeitgeist macht uns zum Herdentier: Man tut, was man eben so tut. Wohin sie alle gehen, dahin gehen sie alle. Gottes Geist schenkt Zivilcourage und Verantwortung.
Der Zeitgeist will, dass wir immer mehr haben. Gottes Geist schenkt, dass wir immer mehr sind.
Wo der Zeitgeist auf Erfolg setzt, das setzt Gottes Geist auf Liebe.
Wo der Zeitgeist das Leben in Euro und Cent umrechnen will, seinen Anfang und sein Ende, da erinnert uns Gottes Geist an die Würde eines jeden Menschen.
Und wo der Zeitgeist mit Bomben verteidigen will, da halten begeisterte Menschen ihre Hand zu Versöhnung bereit.
Gottes Geist ist unbeschreiblich aber wirklich.
Gottes Geist wirkt auch heute noch, doch müssen wir unterscheiden, lassen wir uns vom "Zeitgeist" oder von der lebendig machenden Kraft Gottes leiten?
Pfingsten, ein Fest um auf die lebendig machende Kraft Gottes zu hören und sich von ihr begeistern lassen!
Heidi Tschofen
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