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St. Ulrich





"Gottesdiensttexte 3. Adventsonntag"



Helmut Th. Rohner



Weil es in der kalten Kirche die Herzen erwärmte, hier die Liturgietexte des Sonntags. Helmut Rohner sprach mit Überzeugung und Engagement vom Frieden.




"Gaudete" = Freuet euch!, am 16.12 O1 in Götzis

Das Thema ist etwas eigenartig und lautet:
Amerika contra das Programm Jesu.
Mit Amerika meine ich hier nicht das amerikanische Volk, sondern die Kriegsmaschinerie und die Kriegsideologie die uns seit dem 11. September von Amerika her empfohlen bzw. geradezu aufgedrängt wird. Mit Programm Jesu meine ich, was die Evangelien vom Erlöser / Befreier Jesus erzählen.

Als Kyrie verwenden wir einen kurzen Text des Schweizer evangelischen Theologen und Schriftstellers Kurt Marti.
Wir antworten auf jeden Satz: Christus,erbarme dich unser.

  • Singet dem Herrn, der nie eine Uniform trägt. Christus, erbarme dich unser.
  • Singet dem Herrn, der nie eine Waffe ergreift.
  • Singet dem Herrn, der Tote zum Leben erweckt.
  • Singet dem Herrn, der nie einem Fahnentuch traut.
  • Singet dem Herrn, der nie an Parolen sich hängt.
  • Singet dem Herrn, der Feinde als Brüder entlarvt.


  • Statt des Zwischengesangs l. Teil der Meditation über Jes. 35 Nach jeder Strophe singen wir Halleluja

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen - wenn wir tragen einander getragen von Gott.
    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen - wenn wir aufbrechen unsere Kerker und Brücken bauen zueinander.

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen - wenn wir aufhören zu herrschen weil Gott allein Herr ist.
    werden jubeln und blühen - wenn wir verbinden die Wunden die wir einander zugefügt.





    Ansprache:
    Schon vor dem 11. September war die übrige Welt sehr abhängig von Amerika. Doch nach dem 11. Sept. hat uns das doppelt getroffen. Vorher durften wir noch nicht - amerikanisch atmen, jetzt dürfen wir das nicht mehr. Es wird uns gesagt: Wer nicht mit uns ist, der ist ein Terrorist. Und die europäischen Regierungen haben beinahe alle vollständige "Solidarität" mit den USA versprochen. Solidarität mit den Armen? Keine Spur! Solidarität mit den Reichen, mit den Starken, mit denen, die zu den Waffen greifen, um Vergeltung zu üben, um die andern zu jagen, in ihren Höhlen auszuräuchern, sie tot oder lebendig in die Hände zu bekommen. Geld gibt es nicht mehr für die Armen, für die Entwicklungshilfe, sondern für die Heere, die Waffen und für eine Sicherheit, die Waffen nie geben können. Es geschieht wahrlich viel Perverses in der heutigen Welt. Es geschieht im Namen Amerikas, unter dem Sternenbanner. Im Namen der zivilisierten Welt, ja sogar deutlich und ausdrücklich im Namen des Christentums, im Namen Gottes. - Ich breche diese widerliche Schilderung ab. Wir kennen sie alle. Sie bringt uns nichts Neues.

    Und ich wende mich nun dem heutigen Evangelium zu. Da ist die Rede von einem Johannes und einem Jesus. Von Johannes sagt Jesus: Er war nicht wie ein Schilfrohr, das im Winde schwankt. Johannes war ein Mann mit aufrechtem Rückgrat. Ein Mann, der sich mit Überzeugung für die Andern einsetzte und bereit war, dafür auch Nachteile in Kauf zu nehmen. Johannes war kein Herr in feiner Kleidung. Kein Mächtiger, kein Reicher, kein Chef eines internationalen Konzerns und kein Top-Manager. Johannes war ein Prophet.Ein großer, ein besonderer Prophet. Ein Prophet, der Jesus, dem Messias, den Weg bahnt. Was ist das für ein Weg, den es da zu bahnen gilt? Wie schaut der Weg Jesu aus? Drei Kennzeichen dieses Weges werden im heutigen Evangeliumstext aufgezählt:

    1. Behinderten, Kranken und Ausgeschlossenen wird Heilung geschenkt. Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige, d.h. wegen ihrer Krankheit sozial Ausgeschlossene werden "rein" und damit wieder in die volle Gemeinschaft aller aufgenommen; und Taube hören wieder. Es ist wohl klar, dass hier die körperlich Blinden, Lahmen und Tauben ebenso wie die geistig Blinden, Lahmen und Tauben gemeint sind.

    2. Das zweite Kennzeichen lautet: Tote stehen auf. Was für Tote könnten aufstehen, könnten am Leben bleiben, wenn es echte Solidarität unter den Menschen gäbe? Millionen Kinder, denen die notwendigen Medikamente fehlen, könnten aufstehen, könnten leben, müssten nicht sterben. Millionen Kinder, Frauen, Männer, Alte, die jetzt hungers sterben, könnten noch lange gesund leben. Millionen von Menschen, die allein gelassen werden, in Depressionen verfallen, sich überflüssig vorkommen, keinen Sinn mehr im Leben sehen, nicht mehr leben wollen oder können und sich selbst das Leben nehmen, könnten aufstehen, leben, froh und glücklich werden in der Gemeinschaft der Andern.

    3. Das dritte Kennzeichen des Weges Jesu lautet: Den Armen wird das Evangelium, die Frohe Botschaft verkündet. Wie heißt diese Frohe Botschaft? Ihr Arme, ihr Schwachen, ihr Verachteten auch euch gilt Gottes Liebe. Mehr noch· Gerade euch, euch ganz besonders gilt diese Liebe Gottes. Auch ihr seid viel wert. Auch ihr seid Abbild. Gottes. Auch euch gebührt Achtung und Respekt. Auch ihr habt ein Recht auf einmenschenwürdiges Leben. Auch euch darf niemand verachten, misshandeln oder töten. Auch in euch sollen alle Andern Söhne und Töchter Gottes erkennen. Von euch erwartet Gott viel für die Verbesserung der Menschheit, nicht nur von euch in erster Linie. Euch möchte Jesus, der Messias, das Reich Gottes bringen, natürlich nicht nur euch, aber ganz speziell euch. Freut euch, wenn ihr spürt: Diese Frohe Botschaft gibt uns Kraft. Freut euch,wenn ihr spürt: Diese Frohe Botschaft gibt uns neuen Mut. Freut euch, wenn ihr merkt: Diese Frohe Botschaft gibt euch und allen Menschen dieser Erde Hoffnung und Zukunft!

    Helmut Rohner

    Statt der Fürbitten . 2.Tei1 der Meditation nach Jes 35:

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen -
    wenn wir uns Mut machen zum Leben weil Gott es mit uns lebt.
    Du unser Gott und Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen -
    wenn wir verlassen unsere Gewohnheiten
    und Raum geben der Veränderung.

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen -
    wenn wir teilen den Reichtum
    der uns allein nicht gehört.

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen -
    wenn wir uns trauen gemeinsam zu gehen
    getragen von Gottes Verheißung.

    Wüste und Ödland
    werden jubeln und blühen -
    wenn wir lernen einander zu sehen
    als Schwestern und Brüder.


    Nach der Kommunion: 3.Teil der Meditation nach Jes 35

    Wüste und Ödland werden jubeln und blühen -
    wenn wir nicht neben- sondern miteinander beginnen
    unsere Wege zu gehen.

    Wüste und Ödland werden jubeln und blühen -
    wenn wir ausstrecken unsere Hände
    und sie reichen zur Versöhnung.

    Wüste und Ödland werden jubeln und blühen -
    wenn wir uns öffnen
    dem Wagnis der Liebe.

    Wüste und Ödland werden jubeln und blühen -
    wenn wir wachsen und blühen lassen
    den Samen Gottes in uns.

    (Text aus der Basisgruppe Obersdorf).


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