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PREDIGT ZUM SILBERNEN PRIESTERJUBILÄUM VON TONI OBERHAUSER, AM 02.06.2001, GÖTZIS

Lieber Jubilar Toni, liebe Mitchristen!

Bischof Reinhold Stecher hat einmal den Beruf des Priesters mit dem eines Busfahrers verglichen. Orginalzitat Stecher: "Den meisten Leuten ist gar nicht mehr bewusst, dass das Wort ‚Bus’ vom lateinischen ‚omnibus’ kommt, und das heisst: ‚für alle’! Ein Priester ist ein Omnibusfahrer. Er fährt ein Fahrzeug für alle!"

Ich habe mir gedacht, wenn ein Bischof ein solches Wort bei einer Priesterweihe gebraucht, dann darf ich es auch bei Deinem Jubiläum, Toni, verwenden.

Mir persönlich gefällt das Bild. Du, lieber Toni, bist nicht Priester für Dich, sondern für die Menschen. Und das hast Du durchgehalten als Kaplan in Hohenems, in Bregenz und jetzt als Pfarrer in der Kummenbergregion.

Also, damals, bei Deiner Priesterweihe, hat man Dir keinen Rennwagen anvertraut, auch keine Privatlimousine, sondern einen Omnibus, ein Fahrzeug für die vielen, die an den verschiedenen Haltestellen des Lebens warten.

Ich möchte das in vier Punkten erläutern:

Erster Punkt:

Du darfst also immer wieder Priester sein für alle: für Kinder und Senioren, für Jugendliche und Familien, für Frauen und Männer, für Fortgeschrittene und für Tradtionsgebundene, für Engagierte und Fernstehende, für Glückliche und menschlich Gescheiterte, für Angesehene und Aussenseiter, für Brautpaare, Geschiedene und geschiedene Widerverheiratete, für treue Insider und unruhige Sucher: Omnibus für alle, darauf kommt es an!

Ich denke mir oft dabei: wie soll ein Pfarrer so etwas schaffen? Er ist schliesslich auch nur ein Mensch wie du und ich. Sicher hat ihm Gott manch gute Gabe geschenkt, aber er hat auch seine Fehler und Schwächen – und ich weiss es aus eigener Erfahrung – wir bedürfen auch selbst immer wieder der Vergebung und die Vergebungsbereitschaft unserer Mitmenschen, zumal jeder Pfarrer kein Allroundman ist und das Priestersein durchaus ganz schön "nerven kann", wie man sagt.

Da sind die Kinder in ihrer Unbekümmertheit und Natürlichkeit; da sind die jungen Menschen, die vieles verändern wollen – andere wollen alles beim Alten lassen und Du weißt es auch aus eigener Erfahrung: wenn der Pfarrer ernst macht und für alle da ist, wird er manchen vor den Kopf stoßen. Ein Pfarrer als Fahrer des Omnibusses setzt sich oft zwischen die Stühle. In jeder Pfarre gibt es Tendenzen, nicht einen Omnibus, einen Wagen für alle, sondern Privatautos für kleine Grüppchen und Gruppen zu fahren. Hier muss der Pfarrer sich IMMER für den Omnibus entscheiden, um seinen Leitungsauftrag und dem Dienst der Einheit gerecht zu werden. Er braucht deshalb eine Gemeinde, die dafür Verständnis aufbringt und ihm dabei den Rücken stärkt.

Zweiter Punkt:

Der Priester als Omnibusfahrer muss bei den Haltestellen des Lebens die Türen des Gefährts weit öffnen!

Die offene Türe, das ist zunächst das Verstehen, das Helfen und das Verkündenwollen. Die Haltestellen sind vor allem jene Gelegenheiten im Leben, wo der Mensch zum Zusteigen ins Religiöse besonders bereit ist: bei Geburt und Tod, in der Stunde des Hochgefühls und der unsagbaren Trauer, in der Stunde der Verantwortung und der Spannung, des Stillwerdens und des Zeithabens.

Wir alle kennen diese Haltestellen. Das sind die Sakramente. Wir brauchen nach wie vor den Priester als Spender der Sakramente. Aber wir erleben es auch deutlich in unserer heutigen Zeit, dass es damit allein nicht getan ist. Die vielen Menschen, die an den Haltestellen stehen, kann der Priester allein gar nicht in die offenen Türen einladen. Deshalb braucht jeder Priester Mitreisende, die diesen Dienst mit ihm zusammen – ich betone: zusammen – tun. Die Aufgaben, die immer weniger Priester zu leisten haben, sind Aufgaben der ganzen Pfarrgemeinde. Jeder Mensch in der Pfarrgemeinde, jeder Mensch guten Willens, hat seine ureigene Charismen und Fähigkeiten, der er zum Wohle aller einbringen darf. Nur so wird "Kirche am Ort" wirklich letztlich erfahrbar und erlebbar!

Dritter Punkt:

Ein Priester als Omnibusfahrer braucht immer Sprit im Tank! Er muss immer auf das Armaturenbrett schauen, ob der Treibstoffanzeiger in die gefährliche Zone rutscht oder ein Alarmlämpchen aufleuchtet. Wenn der Tank voll ist, braucht er sich nicht zu sorgen.

Ich denke, das gilt für den Priester, wie für die Gemeinde. Wie oft versucht der Priester die Mitchristen zum Tanken einzuladen. Aber viele meinen, ihr Sprit reiche noch lange, und noch lange und lange..... und dann bleiben sie oft auf der Strecke. Die Leute merken es und es wird gemunkelt und mit dem Finger gedeutet. Die Medien berichten genüsslich über Fehltritte eines Priesters, dessen Tank leer ist. Müßte sich eine Gemeinde nicht darum sorgen, dass der Tank ihres Pfarrers immer gefüllt bleibt? Der Pfarrer muss immer wieder spüren, dass eine Gemeinde mit ihm geht, ihm den Rücken stärkt, ihm sagt, was er wirklich gut macht und sein Tun auch mit aufbauender und nicht mit vernichtender Kritik begleitet.

Vierter und letzter Punkt:

Das Busunternehmen, bei dem Du, Toni, mit Deiner Priesterweihe vor 25 Jahren eingestiegen bist, hat einen wunderbaren Chef: Jesus Christus. Und dieser Chef hat zu Dir gesagt: "Ich nenne Dich nicht Knecht, billige Arbeitskraft oder Angestellter, sondern ich nenne Dich Freund!"

Dieser Chef sitzt nicht irgendwo in einem fernen Büro und kontrolliert über Computer seine Firma, sondern er ist da, neben Dir, mitten unter uns, tagtäglich neu, wenn wir uns in seinem Namen versammeln. Er greift helfend ins Steuer, er ist eine ständige Ermutigung und Kraft. Er ist beim Start da und bei den Haltestellen, wo die Türen aufgehen. Er ist in den unübersichtlichen Kurven des Lebens bei Dir, in den Tunneln der Enttäuschungen und auf dem Glatteis der schwierigen Fragen der Zeit und der Menschen. Und er wartet am Ziel.

Ist das nicht die große frohe Botschaft für Pfarrer und Mitchristen? Nicht der Pfarrer, sondern Christus selber ist es, der durch seine Liebe und durch seine Treue auch eine Pfarrgemeinde begleitet. Und das macht Mut. Er hat uns alle befähigt zu seinem Dienst in der Taufe, in der Firmung und den Priester in seiner Weihe. Jeder baut an seinem Platz mit. Fahren wir weiter oder steigen wir neu ein in den Gemeindebus und fahrt weiter, Du, Toni und Deine Gemeinde. Fahrt gemeinsam dem Ziel entgegen: Jesus Christus wartet.

So wünsche ich Dir, lieber Toni und hier speziell der Pfarrgemeinde Götzis von ganzem Herzen: gute Fahrt. Amen.



Roland Trentinaglia



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