Pfarrblatt KONTAKT | Seite des Chefredakteurs

Pfarrblatt Kontakt

Buchtipp
Prof. Mag. Dr. Richard Gohm war von 1967 bis 1975
Seelsorger in Götzis.
Seit neuestem ist er Herausgeber eines Buches
über Provikar Lampert.
In seinem Vortrag über sein Buch im Jonas-Schlössle
begann er als ehemaliger Götzner "Geistlicher"
mit der Schilderung seiner "Versetzung" nach Götzis.
Gohm ist nicht nur Theologe und Jurist , sondern u.a.
auch Mit - Autor im Götzner Heimatbuch und er
hat sich darüber hinaus ausgiebig mit der Erforschung der Götzner Geschichte befasst. Götzis und die Götzner spielten also eine "Rolle" in seinem Leben - und als er dann trotzdem feststellte, dass sein Weggang von Götzis eher nicht in seiner allzu großen Beliebtheit begründet gewesen sei, da wussten die Zuhörer, dass er "der Gohm", den wir kennen und schätzen, geblieben ist. Er ist ein Mensch, der sagt, was gesagt werden muss. Wenn so ein Mensch auch Priester der katholischen Kirche ist, dann ist ein spannender Abend garantiert. Die Übergänge der Anekdoten aus seinem Leben zu den Geschichten aus dem Leben von Provikar Lampert waren fließend. Bei dem einen hat es in der Nazi- Zeit tragisch geendet, dem anderen hat es vielleicht eine Karriere gekostet.

Es ist Richard Gohm zu danken, dass er sich die Mühe dieser peniblen Recherche gemacht hat. An wen sollen wir uns erinnern? Wer soll uns beispielhaft die Umsetzung der Botschaft Christi vorleben? Dass uns als solche Vorbilder von Seiten der Kirche nicht nur ein Kaiser Karl oder der Opus - Gründer vorgehalten werden, dafür steht Richard Gohm. Nicht der schlechteste Dienst für einen Priester im Ruhestand!

Manfred Dünser

Richard Gohm
Bildbericht zum Vortrag



Das Buch zum Vortrag:

Kurzbeschreibung:
Provikar Dr. Carl Lampert war der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche, der von den Nationalsozialisten eingesperrt, gefoltert und schließlich hingerichtet wurde. Bald nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 geriet Carl Lampert durch seine mutigen und klaren Aussagen in immer stärkeren Gegensatz zum herrschenden Regime. Nach dreimaliger Inhaftierung in Innsbruck wurde er zu Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen verurteilt. Schließlich erhielt er "Gauverweis" nach Stettin, wo er von einem SS-Spitzel ausspioniert, verleumdet und zusammen mit P. Friedrich Lorenz und Kaplan Herbert Simoleit durch das Fallbeil hingerichtet wurde. In 25 Beiträgen werden die Person und das Leben Carl Lamperts ausführlich dargestellt sowie Hintergründe beleuchtet. So entsteht ein facettenreiches Bild dieses engagierten Kirchenmannes, dessen Seligsprechung bei der zuständigen römischen Kongregation anhängig ist. Mit Beiträgen von Reinhold Stecher, Erich Saurwein, Hans Fink, Walter Juen, Josef Gelmi, Maximilian Liebmann, Gerhard Wanner, Wolfgang Knauft, Monika Knop, Wolfgang Oleschinski, Michael Viebig u.a.








„In Religion hatten wir den Dorfpfarrer. Er war ein seltsamer Pfarrer. Und er war derjenige, der mir die zweite und die dritte Watsche verpasste. ...Nach der Erstkommunion – einer lächerlichen Angelegenheit – kniete ich jeden Sonntag vor dem Pfarrer und hielt die Hände auf. Ich war noch jung. Ich nahm die Hostie entgegen, den Himmelvater als Oblate. Der Pfarrer sah mich komisch an. Er blickte alle Buben seltsam an, er sah uns eindringlich in die Augen und lächelte. Manchmal streichelte er uns über die Hände.“ Die Kirche spielt zwar nicht die Hauptrolle im Roman „Das Schafferhaus“ von Stefan Alfare. Aber sie ist ein wesentlicher Teil im Götzner Umfeld, in dem Paul Eva Schaffer ( Stephan Alfare) heranwächst.
Eine große Stärke des Romans, vor allem im Kindheitsteil, ist die klare, schlichte Sprache. Alfare urteilt nicht. Er schildert genau, zuerst mit den Augen des Kindes, dann des Pubertierenden. In seiner Präzision ist er dabei beinahe schamlos; wodurch allerdings die Verklemmtheit und Beziehungsunfähigkeit seiner Umgebung nur noch deutlicher wird.

Alfare will mit fiktiven Namensgebungen und kleinen (?)Abweichungen von wirklich Erlebtem den Eindruck vermeiden , dass hier einer seine eigene Biographie wirklichkeitsgetreu erzählt. Dem „geborenen Götzner“ drängen sich jedoch die in der Realität lebenden Personen, die sich hinter den literarischen Figuren verbergen, geradezu auf.

Wer jedoch der Versuchung widersteht, beim Lesen den Blick nur auf „Götzner Geschichten“ zu fokussieren, dem eröffnet sich ein schaurig – tragisches Bild von Kälte und Einsamkeit, das jeden betroffen macht, auch, und vielleicht gerade dann, wenn er die handelnden Personen nicht zuordnen kann.

Das Buch hinterlässt einen tieferen Eindruck als so manch groß angelegte „Gesellschaftsstudie“.

Manfred Dünser


Stephan Alfare, Das Schafferhaus. Luftschacht Verlag, Wien 2006. 328 Seiten. € 23,90. Erhältlich in der Buchhandlung Brunner, Götzis.