Erklärung zum Rücktritt vom Pfarrgemeinderat Götzis
Sissy Mayer und Gerhart Hofer,
Geschäftsführende Vorsitzende
Text
zur Pfarrversammlung 29. Mai 2001
SM
Es ist für uns nicht ganz einfach, Euch heute abend zu
erklären, wie diese Situation entstanden ist. Um so mehr, da wir versucht
haben, die Probleme im kleinen Kreis zu halten ohne die Pfarrgemeinde damit zu
belasten. Aber es ist notwendig und wir fühlen uns als Verantwortliche des
Pfarrgemeinderates der Pfarrversammlung verpflichtet. Wir haben ein Jahr lang
versucht, die Anliegen, die im letzten Juni von Euch als besonders wichtig
angesehen wurden, zu vertreten und es ging uns nie um Rechthaberei oder, wie
uns in letzter Zeit vorgeworfen wurde, um Funktionärsbefriedigung. Es ist uns
klar, dass jeder Pfarrer, der eine neue Pfarre übernimmt, auch seine Geschichte
mitbringt, seine Ideen und Vorstellungen hat und diese auch umsetzen möchte.
Geschieht dies aber ohne sich mit dem, was in der Gemeinde gewachsen ist,
wirklich auseinanderzusetzen und es zu respektieren, dann entstehen eben
Konflikte und Verletzungen.
GH
Götzis ist eine Pfarrgemeinde mit einer eigenen Geschichte.
Wir sehen uns als Pfarrgemeinderat, der Verantwortung zu tragen bereit ist.
Seit Jahren war Götzis zu einem guten Teil bereit für zukunftsorientierte
Pastoral, allerdings entspricht dieser eher offene Kurs weder unserem Pfarrer
noch dem System Kirche.
SM
Ich
glaube, wir haben uns um einen guten Übergang von Pfarrer Herbert Buhri, Heidi
Fröwis und Günter Schatzmann zu den neuen Verantwortlichen bemüht und sind Dir,
Toni und Deinem Team offen gegenübergetreten. Aber wir hatten die Anliegen
unserer Pfarre zu vertreten. Doch wir spürten bald, dass vieles so sein sollte,
wie es in Altach ist. Es entstanden Probleme, die auch zum Teil daher kamen,
dass keine klaren Strukturen erkennbar waren und Abmachungen einfach ohne
Rücksprache und Erklärungen nicht eingehalten wurden (Diakone, A/B Regelung für
Gottesdienste am Sonntag,
Predigtdienste, Taufen, ...).
GH
Bei der Pfarrversammlung vor einem Jahr war der Wunsch nach
einem eigenen Pfarrer für Götzis zweitwichtigster Punkt neben
"Wortgottesdiensten bei Beerdigungen".
Im Jänner 01 waren Sissy, Else und ich bei Generalvikar
Fischer und Pastoralamtsleiter Elbs und legten diese dringende Forderung im
Rahmen einer Situationsanalyse schriftlich vor.
Wer will, kann dieses Papier gerne lesen. Ich habe einige
Kopien bei mir.
Neben diesen Strukturproblemen gab es auch persönliche.
Mit den abwertenden Äußerungen unseres Pfarrers fühlte ich
mich/wir uns oft nicht ernst genommen und auch verletzt. Mit Tonis Führungsstil
hatte ich oft Schwierigkeiten. Allerdings ist das absolut kein
"autoritärer Führungsstil", wie ich fälschlicherweise in etlichen
Medien zitiert wurde. Ich möchte hier auch betonen, dass die Medienkampagne zum
Konflikt in der Pfarrgemeinde nicht von mir ausging. Auch wenn mir das immer
wieder unterstellt wird.
SM
Wir haben gemeinsam versucht, der schlechten Stimmung auf
den Grund zu kommen und die Situation aufzuarbeiten. Ohne großen Erfolg. Dies
und für uns nicht erkennbare Perspektiven für den Herbst führten dazu, dass wir
am 8. Februar 01 diese Probleme in
einer PGR-Sitzung besprochen haben. Dabei kam es auch zu einer Bewertung der
Regionalisierung Kummenbergregion, die durchwegs negativ ausfiel, obwohl die
Notwendigkeit überpfarrlicher Zusammenarbeit von allen erkannt wurde.
GH
In dieser Sitzung bot uns Toni Oberhauser an, auf die Pfarre
Götzis zu verzichten, wenn wir einen Nachfolger finden würden. Dazu sei er
gerne bereit und die Diözesanleitung müsse dann einverstanden sein. Nur in die
Ungewissheit hinein würde er nicht resignieren. Er brachte Pfarrer Wilfried
Blum ins Spiel, der ja schon im Frühjahr 2000 als Buhri-Nachfolger im Gespräch
war, doch dann nicht auf Götzis ansuchte, weil es ihm zu schnell gegangen wäre.
Wir haben daraufhin natürlich mit Wilfried Blum geredet und
ihn gebeten nach Götzis zu kommen. Nach einer Nachdenkpause war Wilfried Blum
bereit, Pfarrer von Götzis zu werden. Es gab dann auch ein Gespräch zu unserer
Situation mit der Diözesanleitung (Fischer/Elbs). Vor Ostern schien sich
diese Lösung konkret anzubahnen – und
dann war plötzlich alles anders. In der Karwoche hat mir dann Toni mitgeteilt,
dass er nun definitiv als Pfarrer in Götzis bleibe.
SM
Am 4. Mai wurden wir
zu einem Gespräch mit GV Elmar Fischer
und PAL Benno Elbs geladen und dort wurde uns die endgültige Entscheidung der
Personalkommission mitgeteilt: Götzis wird weiterhin keinen eigenen Pfarrer
haben. Toni Oberhauser wird zwar in Götzis wohnen, bleibt aber Pfarrer von
Altach und Götzis mit Friedl Kaufmann ab Juli als Kaplan und Heidi Tschofen als
Pfarrassistentin an seiner Seite.
Es war für uns –
zwar nicht unerwartet – aber doch schmerzlich erfahren zu müssen, dass die
Diözesanleitung wohl immer vom Ehrenamt und den Charismen der Laien redet, wenn
es dann aber drauf ankommt, dann zählt der hauptamtliche Priester mehr als das
jahrelange Engagement der Laien in ihrer Gemeinde.
In Summe heißt das:
es gab und gibt viele Konflikte und die blockieren die
Arbeit für unsre Gemeinde. Um diese Blockaden lösen zu helfen werde ich gehen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Weg, den wir in den letzten Jahren
gemeinsam gesucht haben und gegangen sind, ein pastoraler Weg in die Zukunft
ist. Es ist für mich wichtig, meine Überzeugung auch leben zu können. Wenn ich
damit in dieser Situation mehr hinderlich als hilfreich bin, ist es für mich
ganz klar, dass ich zurücktrete und Platz mache für neue ehrenamtliche
Mitarbeiter.
GH
In der Kirche ist es nicht vorgesehen, dass sich Laien
konkret kritisch äußern. Ich habe das getan, weil ich überzeugt bin, dass die
Zukunftsperspektiven im geschwisterlichen Umgang liegen müssen. Und darin hat
ganz im biblischen Sinne auch ein Streit Platz. Doch der Preis für diese Haltung
ist hoch. Mir wird jetzt auch Manches unterschoben, was ich nie gesagt oder
getan habe. In den letzten Tagen höre ich (natürlich nur indirekt) oft, wie
über uns, über mich geschimpft wird.
So stehe ich heute hier und weiß, dass wir uns mit unserer
Art des Verantwortung-Tragens in einer ganz schwierigen Phase bei vielen
Menschen nicht beliebt gemacht haben.
Trotzdem bin ich von unserem Weg, Spiritualität in Pastoral
umzusetzen überzeugt. In diesem Sinne halte ich die Kopfwäsche gut aus.
Wie Sissy bin ich zum Entschluss gekommen, dass es im
Interesse unserer, meiner Pfarrgemeinde jetzt besser ist, nachzugeben.
Die im Frühjahr abgemachten Dienste – beispielsweise
Wortgottesdienste in der Urlaubszeit – werden wir selbstverständlich noch
einhalten.
Aber als Mitglied des Pfarrgemeinderates trete ich mit
heutigem Datum zurück. Ab Herbst werde ich zumindest für ein Jahr Auszeit
nehmen.
BEIDE:
In der letzten PGR Sitzung haben wir unseren Rücktritt bei
dieser PV angekündigt. Gleichzeitig treten als Mitglieder des PGR zurück:
Brigitte Ströhle, Dietmar Scheier, Reinelde Böckle, Doris
Süß, Christine Oberhauser, Johanna Heinzle, Gerhard Ehrne und Else Ender.
Roland Weber und Norbert Loacker bleiben im PGR.
Unser Pfarrsekretär Hans Peter Lederle wird mit seinem
Ausscheiden als Pfarrsekretär den PGR ebenfalls verlassen – näheres dazu von
ihm selber.
Auch der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrkirchenrates,
Franz Josef Mayer hat mitgeteilt, dass er zurücktritt.