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"Marktstraße-Schulgasse"

»Mein Jesus Barmherzigkeit!« So heißt
es auf dem Täfelchen unterhalb des
Gekreuzigten. Es ist wahrscheinlich der
am meisten verbreitete Spruch, der sich
auf Wegkreuzen findet. Am unteren Rand
der kleinen Tafel konnte man noch vor
einiger Zeit die Zahl 1917, das Jahr der
Errichtung des Kreuzes, lesen. Ob dieser
Zeitpunkt etwas mit der damaligen
Hoffnung auf ein baldiges Ende des Ersten
Weltkrieges zu tun hatte, kann nur
vermutet werden. Ursprünglich stand das
Kreuz auf einem Sockel, doch beim Ausbau
der Schulgasse in den 60er Jahren
wurde es etwas zurückversetzt und kam
so an seinen heutigen Platz. Gar nicht so
selten kümmern sich auch Bewohnerinnen
des nahe liegenden Seniorenheims
um den Blumenschmuck dieses Kreuzes.
Seine Rundsäulenform hat damit zu tun,
dass als Ausgangsmaterial ein
»Maschinen-Teuchel«, also ein Teil einer
ehemaligen Handstickmaschine,
verwendet worden ist. Die Christus-Figur
besteht aus gegossenem Metall, und das
ist – jedenfalls in dieser Größe – eine
Seltenheit. Besonders auffallend ist, dass
die Füße des Gekreuzigten nicht wie sonst
üblich mit einem, sondern mit zwei
Nägeln befestigt sind; es handelt sich also
um ein so genanntes »Viernagelkruzifix«.
Auch dass der Sterbende mit erhobenem
Kopf und offenen Augen, zu Gottvater
betend, dargestellt ist, ist eher eine
Ausnahme. Dabei lässt sich übrigens noch
eine gewisse Unstimmigkeit feststellen,
da Christus bereits die Seitenwunde
aufweist, die ihm bekanntlich erst nach
seinem Tod zugefügt worden ist.
Franz Elsensohn
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