30.10.2004





"Marktstraße-Schulgasse"



»Mein Jesus Barmherzigkeit!« So heißt es auf dem Täfelchen unterhalb des Gekreuzigten. Es ist wahrscheinlich der am meisten verbreitete Spruch, der sich auf Wegkreuzen findet. Am unteren Rand der kleinen Tafel konnte man noch vor einiger Zeit die Zahl 1917, das Jahr der Errichtung des Kreuzes, lesen. Ob dieser Zeitpunkt etwas mit der damaligen Hoffnung auf ein baldiges Ende des Ersten Weltkrieges zu tun hatte, kann nur vermutet werden. Ursprünglich stand das Kreuz auf einem Sockel, doch beim Ausbau der Schulgasse in den 60er Jahren wurde es etwas zurückversetzt und kam so an seinen heutigen Platz. Gar nicht so selten kümmern sich auch Bewohnerinnen des nahe liegenden Seniorenheims um den Blumenschmuck dieses Kreuzes. Seine Rundsäulenform hat damit zu tun, dass als Ausgangsmaterial ein »Maschinen-Teuchel«, also ein Teil einer ehemaligen Handstickmaschine, verwendet worden ist. Die Christus-Figur besteht aus gegossenem Metall, und das ist – jedenfalls in dieser Größe – eine Seltenheit. Besonders auffallend ist, dass die Füße des Gekreuzigten nicht wie sonst üblich mit einem, sondern mit zwei Nägeln befestigt sind; es handelt sich also um ein so genanntes »Viernagelkruzifix«. Auch dass der Sterbende mit erhobenem Kopf und offenen Augen, zu Gottvater betend, dargestellt ist, ist eher eine Ausnahme. Dabei lässt sich übrigens noch eine gewisse Unstimmigkeit feststellen, da Christus bereits die Seitenwunde aufweist, die ihm bekanntlich erst nach seinem Tod zugefügt worden ist.



Franz Elsensohn


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